Nach Go kommt der Turing Test

Am Dienstagabend, zu besten europäische Sendezeit, zeigte Sundar Pichai, seines Zeichens CEO bei Google, in einer kleinen Demo die Zukunft digitaler Assistenten: Der Assistent ruft dabei bei einem Friseur an um einen Termin für seinen Nutzer abzustimmen. Egal ob dieser Anruf echt war, was Mr. Pichai beschwor, oder nicht. Es zeigt in eine ganz klare Richtung dessen Tragweite wir aktuell noch gar nicht abschätzen können: Google hat mit dieser kleinen Demo den Turing-Test bestanden. Vor fast 70 Jahren formulierte der britische Mathematiker Alan Turing ein Testszenario in dem ein menschlicher Fragesteller innerhalb eines Dialogs herausfinden sollte, ob der Gegenüber ein Mensch oder eine Maschine ist. Sollte der menschliche Proband nicht merken, dass es sich bei seinem Gegenüber um eine Maschine handelt, wäre der Beweis erbracht, dass die Maschine als intelligent anzusehen wäre. Auch wenn es zu dem Test uns seinen Randbedingungen noch einiges zu sagen gäbe, würde ich gern wieder zu der kleinen Demo von Google zurück kommen, denn was war passiert: Ein Computerprogramm ruft einen Friseur an und verabredet glaubwürdig, ohne das sein menschliches Gegenüber es merkt, einen Termin. Der Friseur zweifelt am anderen Ende des Telefons keine Sekunde, dass es sich hierbei um eine normale Terminvereinbarung handelt. Noch besser sieht man dies im zweiten Anruf, bei der mehr Interaktion gefordert ist, da der bevorzugte Termin nicht passt. Hier „entscheidet“ Googles Assistent im Rahmen seiner Vorgaben. Auch hier merkt der menschliche Akteur am anderen Ende der Leitung nichts. Doch was bedeutet es, wenn wir demnächst nicht mehr unterscheiden können, ob wir mit einer Maschine oder einem Menschen reden? Auch wenn man nur ein paar Anwendungsfälle im Kopf durchgeht wird man feststellen: Dadurch wird sich einiges ändern. Wer vor kurzem noch Siri, Cortana und Alexa als Spielerei abgetan hat, wird sich wundern wie schnell die Entwicklung voranschreiten wird. Auch Lee Sedol war sich vor dem ersten Spiel gegen AlphaGo sehr sicher, dass er das Programm schlagen wird. Zumal es vorher ja nur einen Europameister im Go besiegt hatte. Hier sollte man sich einfach klar machen: Sobald etwas mit derartigem wirtschaftlichem und gesellschaftlichen Potential funktioniert, wird es mit Hilfe aktueller Computertechnik skalliert werden.

PS.: Für das lange Wochenende sei die Dokumentation über AlphaGo auf Netflix empfohlen

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